The Deadnotes: Tourtagebuch Teil II

Christian 10. Oktober 2017 0

Las sich der erste Teil des „The Deadnotes“ Tourtagebuchs schon wie ein Abenteuerroman, geht es in  Teil II nicht minder spannend weiter:

Tag 7, HAMBURG – Auf der Reeperbahn nachts um halb eins.

Es geht los! Nächste Runde. In Hamburg spielen wir heute glaube ich zum sechsten Mal. Außer zwei größeren Supportshows in diesem Jahr mit Beach Slang und Smile And Burn hatten wir leider nie wirklich viel Glück in der Hansestadt und vorrangig eher mau besuchte Shows. Na gut. Die Abende und Nächte waren immer großartig, aber das soll ja nicht die Hauptsache sein. Trotzdem ein Grund immer wieder zu kommen.


Foto: Sascha Schröder

Wir fahren bereits einen Tag früher los und pennen auf halber Strecke in Köln. Wir packen unseren Herrn Manager Daniel mit ein, der ebenfalls in Hamburg zu tun hat. Reeperbahn Festival. Business-Termine, Meetings und so. Ich glaube die Rede war von steilen 40 Meetings in drei Tagen. Krassester Typ.

Der Laden heute nennt sich Astra Stube. So ein Kultding in Hamburg meine ich. Jedenfalls hat man schon sehr viel drüber gehört, aber wir noch nie hier gespielt.
Wir vertreten uns noch ein wenig die Beine und begeistern uns für ein Loch im Boden einer Wiese, während die Leute in der Astra Stube sauber machen müssen. Wahrscheinlich von der Party am Abend davor. Erster Eindruck: Äußerst positiv und unfassbar sympathisch.

Kurz vor der Show tauchen immer mehr bekannte Gesichter auf. Einige alte Freunde, aber auch Leute, die wir erst kürzlich kennengelernt haben. Sebastian zum Beispiel. Mega Fotodude. Den haben wir eine Woche davor kennengelernt und direkt ins Herz geschlossen. Ich weiß noch wie der junge Herr irgendwann nach der Show zu mir kommt (Achtung, siehe ebenfalls Tourblog aus Leipzig!) und meint: “Hey Mann, ich muss jetzt leider gehen. Schau mir noch Leoniden auf dem Reeperbahn Festival an und dann direkt ins Hotel. Habe morgen früh wichtige Termine!”
Foto: Sascha Schröder

Einige Stunden später treffen wir ihn auf der Reeperbahn in einem Kiosk biertrinkend wieder. Absolute Legende. Wir machen mit.
Im selben Kiosk sieht man mehr als nur einige bekannte Gesichter. Gefühlt versammelt sich auf diesen paar Quadratmetern Kiosk die komplette Musikszene von Deutschland, als hätte sie nichts besseres zu tun. Es gibt ein paar Umarmungen hier, High-Fives da.
Relativ fix geht es für uns weiter ins Molotow. Wir dancen eine Weile zu komischer Musik doch viel zu schnell siegt wieder der Hunger. Klassischer Late-Night Falafel.


Foto: Sascha Schröder

Auf dem Heimweg, der Pennplatz liegt unmittelbar neben der Reeperbahn, verfolgen uns viel zu aufdringliche Prostituierte und Eine greift mir einfach mal direkt in den Schritt. Muss nicht sein. Lieber Fokus auf den Falafel und in Gedanken bin ich sowieso schon im Bett. Hamburg, du bist eine sehr komische tolle Stadt.

Tag 8 – LÜBECK, Fck AFD, Love Blauer Engel!

Die Fahrt nach Lübeck ist viel zu kurz und übrig bleibt viel zu viel Zeit in Hamburg. Das könnte man natürlich für ausgiebig Sightseeing nutzen. Letztendlich schläft man aber doch dann ewig lange und regt sich über das nicht vorhandene W-Lan in der Künstlerwohung auf. Ein paar verzweifelte Handy Hotspot Versuche später brechen wir auf, versenden noch ein paar CDs für ein AOK Gewinnspiel und packen zumindest noch einen kleinen Hafenspaziergang. Trotz ungefähr 12 Stunden Schlaf fühle ich mich doppelt so müde wie sonst. So viel Ruhe ist der Tourkörper eben einfach nicht gewohnt.


Foto: Sascha Schröder

Wir kommen in Lübeck an und begrüßen die Shoreline Jungs sowie die super liebe Crew vom Blauen Engel. Wir waren bereits vergangenen Dezember hier und erneut macht mich dieser Laden sprachlos. Es war uns mehr als eine Herzensangelegenheit hier wieder einen Stopp einzulegen. Definitiv die wunderschönste Venue/Kneipe in Norddeutschland und die allertollsten Menschen. Premiere. Als wenn das wichtig wäre, aber sogar unser Catering Rider ist zum allerersten Mal zu 100% erfüllt. Schlafplätze direkt ein Stockwerk höher und die Veranstalter sorgen immer dafür, dass auch ja keiner nüchtern dort landet. Ich frage den Besitzer Arne vor der Show noch, ob ich vor der bevorstehenden Nacht Angst haben muss. Er lächelt nur.


Foto: Sascha Schröder

Shoreline spielen ein astreines Set und ich ärgere mich über das Publikum, dass zu 90% vor dem Laden verweilt anstatt zuzuhören. So eine tolle Band verpassen, selber Schuld! Als wir starten scheinen sich einige Menschen doch zu Erbarmen. Vor uns steht eine gar nicht kleine Gruppe Menschen und hört aufmerksam zu. Das ist für Publikum auf einer Eintritt frei Show definitiv nicht Gang und Gäbe. Wow!


Foto: Sascha Schröder

Alles nach der Show bleibt dann den Erwartungen entsprechend eher verschommen und wird dem Leser erspart. Ich begeistere mich viel zu sehr für das mir neue Getränk Vodka Melone und beschließe am nächsten Morgen definitiv nie wieder ein Glas davon anzurühren.

Tag 9 – OBERHAUSEN, Eine Zugfahrt die ist lustig

Nachdem der Wecker seine nervtötende Melodie zum fünften Mal durchgespielt hat, fange ich an zu zweifeln, ob er jemals von alleine damit aufhören wird. Schließlich überwinde ich mich und stehe auf um Jakobs Telefon, welches unmittelbar neben seinem Kopf vor sich herbimmelt, auszuschalten.
Ich finde es immer wieder faszinierend wie tief Jakobs Schlaf ist und kann der Idee nicht widerstehen das lärmende Handy wirklich direkt in sein Ohr zu halten. Nach ca. zehn Sekunden öffnen sich seine Augen einen winzigen Spalt, der sich jedoch direkt wieder schließt. Als ich ihn später darauf anspreche, ist er der festen Überzeugung den Wecker selbst und direkt ausgeschaltet zu haben. Naja.
Wir verhandeln die nicht verhandelbare Abfahrtszeit um 20 min nach hinten, sodass sich jeder noch am Frühstückstisch bedienen kann.
Im Van gibt Darius ein lustiges Bild ab, wie er halb schlafend versucht einen Pappteller mit Brötchen und Aufstrich auf seinem Oberschenkel zu balancieren.
Unser Mischer Martin fährt die gesamte Strecke souverän durch, während wir eine Stunde lang über Spotify Stammtischwitze anhören. Erzählt von einem Norddeutschen. Zum Kugeln! Da wacht sogar der “überhängende“ Darius wieder auf.
Wir kommen trotz trägem Verkehr recht pünktlich in Oberhausen an und widmen uns direkt dem Klangtest. Erste Klasse der Sound im Druckluft, das muss man schon sagen.


Foto: Sascha Schröder

Anschließend haben wir genug Zeit um etliche Zigaretten zu rauchen und mit den Jungs von anorak herumzualbern. Frozen Acid, unsere Freunde aus dem Sauerland sind leider etwas verspätet und eröffnen recht bald nach Soundcheck die Show. Beide Bands liefern mehr als amtlich ab und sollten von allen die das hier lesen UNBEDINGT ausgecheckt werden! Als wir die Bühne betreten trauen sich die siebzehn zahlenden Gäste zum Glück fast direkt vor die Bühne und das eher größere Druckluft sieht doch gar nicht mal so leer aus wie anfangs befürchtet.


Foto: Sascha Schröder

Im Anschluss heißt es KöPi gegen Becks in der Backstage Arena. KöPi gewinnt und ist als erstes leer. Macht nix, ich trinke sowieso lieber Becks. Nach dem Load-out macht sich unsere Travelparty auch schon gleich auf zum Hostel. Ich verweile in der Venue, da ich spät nachts noch mit dem Zug nach Bremen fahre, so zumindest der Plan. Nachdem auch Frozen Acid abgehauen sind, stehe ich vor der Wahl. Entweder bleiben und der ortsansässigen Goa Crew beim Partyaufbau helfen oder mit den beiden Haustechnikern ab nach Duisburg, wo ich später sowieso landen muss um meinen IC zu erwischen. Ich entscheide mich für Letzteres und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Ich schlafe in der Duisburger Bahnhofshalle ein.
Als ich aufwache ist es vier Uhr und mein Zug schon seit über einer Stunde abgefahren. Na spitze! Ich schlendere durch den Hauptbahnhof und tausche mit ein paar Obdachlosen eine Zigarette gegen ein Bier. Ich krieg das Bier, immerhin.
Um nicht wieder einzuschlafen mache ich einen Spaziergang durch das nächtliche Duisburg. Es gibt nichts zu sehen.
Um sechs Uhr Morgens fährt endlich der nächste Zug nach Bremen. Ich erzähle dem Schaffner, dass die S-Bahn in Oberhausen vom falschen Gleis gefahren sei, weshalb ich meinen Zug nicht bekommen habe. Er glaubt mir die Story. Oder ist einfach kein Arschloch.
Als ich aufwache scheint mir die Sonne ins Gesicht und ich erhasche aus den Augenwinkeln das Bahnhofsschild „Sternschanze“. Verdammt! Souverän an Bremen und leider auch schon am Hamburger Hauptbahnhof vorbeigefahren. Nächster Halt: Itzehoe. Dieses Mal komme ich an einem neuen Ticket nicht drumherum. Also wieder warten. Mit dem Regionalzug nach Hamburg und dann von dort wieder Richtung Bremen. Nur dieses mal bitte nicht einschlafen. Ich gebe mir „Howl“ von „Swain“ über die Kopfhörer und zwinge mich diesen Bericht zu schreiben.
Um 13.00 Uhr bin ich angekommen. 12 Stunden von Oberhausen nach Bremen. Das lasse ich einfach mal unkommentiert. Wobei ein Wort fällt mir dazu noch ein: Kopfschmerzen.

Tag 10 – WÜRSELEN, Das Wohnzimmer.

In der Zeit, die Yannic im Zug verbracht hat, haben wir im Hostel ausgeschlafen, gefrühstückt, Laptop Arbeit hinter uns gebracht und eine fragwürdige Dokumentation über Bacon auf Dmax angeschaut.

Wir spielen heute ohne Drummer ein akustisches Wohnzimmerkonzert in Würselen. Wir haben erst vor einer Woche dazu aufgerufen und es haben sich tatsächlich einige Leute gemeldet. Der uns bisher unbekannte Moritz hat eine super ausführliche und unglaublich liebenswerte Nachricht geschrieben. Da konnten wir nicht nein sagen. Deshalb fahren wir nun nach Würselen und nein, wir spielen nicht bei Martin Schulz zuhause. Der Witz kam jetzt mindestens 50 Mal und ist langsam arg langweilig.

Man weiß bei so etwas ja nie was einen erwartet. Fremde Leute, vor allem so kurzfristig. Doch sämtliche Zweifel vergehen schon kurz nach Ankunft wie im nuh. Die gesamte Familie ist involviert, hat Grill aufgestellt, Nachbarn und vor allem eine Menge Freunde eingeladen. Sogar extra in vegane Kochkunst für uns eingearbeitet. Spitzenklasse an Gastfreundlichkeit.

Nepomuk, die Band von Gastgeber Moritz, eröffnet mit einigen Coversongs und die Stimmung im extrem gut gefüllten kleinen Wohnzimmer ist grandios. Nach unserem Set gibt es ein abschließendes gemeinsames Wonderwall Cover. Muss sein! Uns wird förmlich der Merch aus der Hand gerissen und sämtliches Wechselgeld zusätzlich in die Spendenbox gepackt. Wahrscheinlich läuft jetzt jeder Jugendliche in ganz Würselen mit Textil von uns herum. Ich frage mich, ob die Kids hier alle verdammt reich sind oder einfach nur gute verdammt gute Menschen. Der Moritz macht definitiv die coolsten Hauspartys der ganzen Stadt.


Foto: Sascha Schröder

Ich unterhalte mich eine Weile mit den Eltern und Nachbarn über das Grand Hotel Van Cleef, frage mich dabei wie cool Eltern eigentlich sein müssen, wenn sie solches Fachwissen über das Grand Hotel Van Cleef besitzen und leider schon viel zu früh machen wir uns auf den Weg. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht setzen wir Fotografen Sascha in Köln ab und begeben uns auf nächtliche Heimfahrt in Richtung Freiburg. Danke.

Tag 11 – STUTTGART, Alles muss gecatert sein.

In Stuttgart haben wir mal vor null Leuten gespielt. Naja, also wenn man die zweite Band und den Veranstalter abzieht. Und Gabi. Gabi ist die Besitzerin von Gabi’s Gruft, so hieß der Laden damals. Absolut legendär! Nun gut, dieses Mal sollte das anders werden.
Noch schnell Fotograf Sascha und für die nächsten zwei Dates Ersatztrommler Felix am Bahnhof eingesammelt, los geht‘s!
Wir spielen heute im Juha West, ein betongraues Jugendzentrum. Mega guter Laden, riesiger Backstage, feines Essen und die Pennplätze sind direkt unterhalb der Venue. Besser geht es doch eigentlich nicht.


Foto: Sascha Schröder

Vor dem Soundcheck trinke ich motiviert erst einmal drei Becher Kaffee. Danach kommt nicht mehr viel Sinnvolles aus mir raus. Ich fange an nur noch Blödsinn zu reden und der Soundcheck geht unendlich lange, macht aber allen Beteiligten dafür doppelt so viel Spaß. Für besondere Begeisterung sorgt das übermäßige Reverb auf der Stimme und die damit einhergehenden Kirchenchoräle meinerseits. Schon schön mit was für einfachen Mitteln man sich auf Tour gegenseitig so die Zeit vertreiben kann.
Unsere Mitband heute heißt heute Spraytan, die ihre allererste Show in dieser Kombination spielen und das auch noch richtig verdammt gut machen. Hut ab!


Foto: Sascha Schröder

Aus Übereifer und dem verdammt guten Essen geschuldet, schlage ich mir den Bauch damit so voll, dass ich irgendwann während unserer Show ein leichtes Gefühl der Übelkeit verspüre. Bleibt aber zum Glück dann auch dabei. Trotz eines Mittwochs ist das relativ große Jugendhaus solide gefüllt und wir haben eine Menge Spaß!


Foto: Sascha Schröder

Der Abend verläuft ungewöhnlich unspektakulär. Noch auf eine Runde in die Kneipe und vor allem den viel zu gut ausgestatteten Backstage leercatern. Wenn man Bands so viel zu Naschen hinstellt, kann man sich ja auch nicht wundern, wenn am Schluss alles weg ist. Wir sind zumindest jetzt auf Wochen an Keksen, Chips und weiterem Kram ausgestattet. Gute Voraussetzungen für die lange Autofahrt morgen!

Tag 12 – BRAUNSCHWEIG, Rauchen, rauchen.

Heute dürfen wir die fantastischen Forkupines auf ihrer Album Release Show supporten. Mit dabei sind Grmm, ebenfalls Megaband. Kann also nur gut werden!

Als wir in der Venue in Braunschweig ankommen ist auf Anhieb festzustellen, dass der Laden hier verdammt winzig ist. Mein Platz auf der Bühne, wohl eher auf dem Boden, ist direkt vor dem Tresen der Bar, sodass eigentlich nur mein Kopf für das Publikum zu sehen ist. Lustig auch, dass während der Show eigentlich niemand auf Toilette gehen kann, da die Band den Weg zu ebendieser versperrt. Ist aber eigentlich auch gut so. Soll mal schön jeder brav die Show gucken und sich in die Hose machen!


Foto: Sascha Schröder

Grmm starten den Abend mit einem Spitzenset und die Klaue, das ist der Name dieser hübschen Punkerkneipe, ist rammelvoll. Ausverkauft. Geil! 80 Menschen mit einer Raucherquote von bestimmt 90% in einer winzigen Bar. Da kann man die frische Luft an einer Hand abzählen. Also falls es möglich ist Luft zu zählen. Diese Luft bekomme ich jedenfalls auch beim Spielen intensiv zu spüren. Das komplette Set über bekomme ich nach beinahe jedem gesungenen Ton einen Hustenanfall und das geht so weit, dass ich beim letzten Song kurz davor bin auf den Boden zu kotzen. Ist mir so auch noch nie passiert. Das Publikum allerdings hat eine Menge Bock. Singalongs, der ganze Kram.

Nach uns dann die großartigen Forkupines. Der Release ihres Debütalbums “Here, away from”. Leute am Austicken. So wie sich das eben gehört für eine Releaseshow. Wir verziehen uns eine Weile an den Merchstand und bessern die Raucherquote noch einmal ordentlich auf.


Foto: Sascha Schröder

Nach der Show geht es noch gemütlich in eine Bar und wir lassen uns netterweise auf Bier und den angeblich besten Mexikaner der Stadt einladen. Wir sind trotz erneut bevorstehenden langen Fahrt am nächsten Morgen schon wieder viel zu spät im Bett. Aber: Braunschweig, das war es wert. Auf ein sehr baldiges Wiedersehen!

Tag 13 – DRESDEN, Neustadt Yeah.

Unsere fabelhafte Promoagentur hat uns für heute morgen um 10 Uhr einfach einen Termin im Leipziger Studentenradio „mephisto“ reingehauen. Sehr löblich wie die aufpassen, dass wir am Abend davor ja nicht zu viel Party machen, um am nächsten Morgen fit fürs Interview zu sein. Nicht mit uns! Wir quälen uns aus dem Bett und sind sogar erstaunlich pünktlich zur Abfahrt nach Leipzig. Ich torkele aus der Künstlerwohnung in die Kneipe darunter und versuche mir den Weg nach draußen zu bahnen. An der Theke sitzen immer noch zwei Gestalten und der Barbesitzer bestätigt mir, dass die Kneipe gerade schließt. Guten Morgen.

Wir kommen halb lebendig in Leipzig an. Jakob stellt erstaunt fest, dass wir uns in den vergangenen Wochen übermäßig häufig in Universitäten aufhalten. Jetzt haben wir mehr Interviews in Universitäten gegeben als tatsächlich in ebendiesen studiert. Eine zweifelhafte Ehre. Was solls.

Wir warten im Studio und lauschen dem aktuellen Senderprogramm. „Sie sind am Ende, ausgelaugt von der Woche, können gar nichts mehr und sind fast schon tot!“, tönt es aus den Boxen. Wir nicken uns gegenseitig zu. Genauso fühlen wir uns jetzt zu solch früher Stunde und dem gestrigen Abend in den Knochen. Als dann zwei Sekunden später folgt: „Dann ist diese Band genau richtig für Sie, wir begrüßen THE DEADNOTES im Studio“, sind wir etwas verwirrt.


Foto: Sascha Schröder

Wir sind früh dran für Dresden, landen aber natürlich direkt in einer Autobahn Vollsperrung. Danke. Trotzdem reicht es noch für Burger in der Dresdner Neustadt und Kaffee bei Roberts Freundin Julia, die nicht unweit wohnt. Die haben dort ein Axolotl mit Tumor als Haustier im Kühlschrank. Fragt mich jetzt nicht was ich davon halten soll.


Foto: Sascha Schröder

Wir spielen heute in Katy‘s Garage zusammen mit Heart Ovt. Coole Jungs. Leider packen es heute nicht allzu viele Leute in den Laden. Dafür gibt es Singalongs der Mitband. Auch eine feine Sache.

 


Foto: Sascha Schröder

Wir packen fix zusammen und sind doch relativ angeschlagen vom wenigen Schlaf der letzten Tage. Ab ins hübsche Hostel Mondpalast direkt nebenan. Immerhin sind wir dieses Mal noch rechtzeitig für eine nächtliche Currywurst. Auf diese bestand ich letztes Mal in Dresden schon, dann hatte der Laden zu, ich habe wutentbrannt alles verflucht und bin in einer ganz furchtbaren Cocktailbar gelandet. Also diesmal alles gut. Augen zu!

Tag 14 – MENGEN, Alles muss kaputt sein!

Leider müssen wir den Dresdener Mondpalast sehr früh wieder verlassen. Abfahrt 7:30. Oh je! Wir hoffen Rob pünktlich am Auto anzutreffen, da er gestern bei seiner Freundin genächtigt hat, die in Dresden wohnt. Die beiden hatten sich gestern nach der Show mit den Worten: „Wir gehen jetzt ins Hebe-das!“, verabschiedet. Kein Gutes Zeichen. Doch zu unserer Überraschung wartet Robert bereits am Van. Er sieht etwas betrübt aus. Sein Handy hat den Geist aufgegeben. Trotzdem fällt er schnell und wie gewohnt bereits auf den ersten 100m Fahrt in einen sanften, tiefen und unbekümmerten Schlaf.
Die Fahrt dauert ca. 8 Stunden und bietet außer einer Polizeikontrolle am Autohof wenig Abwechselung. Darius fährt wieder souverän durch und kennt in Mengen sogar noch den Weg zum Jugendhaus. Zur Info. Wir hatten hier bereits vor fünf Jahren gespielt, sind damals allerdings noch mit dem Zug angereist. Keine Ahnung wie man in seinem Gehirn Platz für diesen Routenabschnitt findet, aber Darius weiß wo es lang geht.

An der Location angekommen beginnt eine Equipment Schlacht wie wir es selten erlebt haben.
Alle vier Bands haben eine komplette Backline dabei und keiner weiß wer, was, wie, wo verwendet werden will oder soll. Die Bühne, deren Boden man vor lauter Kabeln schon gar nicht mehr erkennt, ist randvoll mit teurem Equipment. Von „In-Ear Monitoring Rack“ bis Baritongitarre, die über mehrere Amps läuft. Zum Zeitpunkt unseres Soundchecks stehen auf der Bühne zwei komplette Drumkits, zwei Bassboxen, drei Gitarrencombos, verschiedene Racks, versehen mit blinkendem digitalen Gedöns, und und und.
Genug Gründe für Mischer Robert erstmal einen ordentlichen Gear-Talk zu starten und nebenbei lässig alle relevanten Infos für unseren Soundcheck zu klären. Guter Mann.


Foto: Sascha Schröder

Zum Glück war kein einziges Kabel überflüssig. Alle vier Bands klingen wahnsinnig interessant und gut. Während der Show von „Kaffkönig“ kommt schon wieder die Polizei. Es scheint keine größeren Probleme zu geben und sogar wir dürfen noch auf die Bühne.
Vielleicht war dem Streifenpersonal an einem Samstag Abend in Mengen einfach langweilig.
Erfreulicher Weise ist auch dem Publikum spät abends nicht langweilig und wir kommen überraschend gut an.


Foto: Sascha Schröder

Nach der Show geht es direkt zurück nach Freiburg bzw. für mich und Fotograf Sascha über Freiburg erneut nach Norddeutschland. Neben Roberts Handy am Morgen schreddert jetzt auf der Fahrt auch noch Saschas McBook Bildschirm und das Tourabschlusstief könnte besser nicht sein. Hätten wir heute bloß nicht die Bühne mit „Kind KAPUTT“ geteilt. Noch ein Wortzwitz der Extraklasse.

Am Freiburger Hauptbahnhof treffe ich noch ein paar Freunde auf ein Nachtbier und schon geht das lustige Zugfahren erneut los. Ich müsste in den vergangenen 42 Stunden ca. 2000 km zurückgelegt haben. Minimum die Hälfte dieser Zeit mit Fahren verbracht. Die Tour ist vorbei. Life is a wild ride!

Teil 1 des Tourtagebuchs findet ihr HIER!

 

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