The Deadnotes: Tourtagebuch

Christian 21. September 2017 1

Jeden Abend Konzerte spielen, sich betrinken, dann spontan in einem Wohnzimmer tätowiert lassen und dazwischen auch noch Promo Termine wahrnehmen? Ja, den ersten Teil der The Deadnotes Tour kann man als wahre Achterbahnfahrt bezeichnen. Damit all dieses unglaublichen Erlebnisse nicht in Vergessenheit geraten, hat sich die Band entschieden ein Tourtagebuch bei uns zu veröffentlichen, viel Spaß mit dem ersten Teil:

So! Heute ist großer Tourauftakt in der Schweiz! Normalerweise plant man für so eine Tour wochenlang im Voraus um dann am Tag davor festzustellen, dass man eigentlich noch proben sollte, keine Ahnung hat in welchem Auto man überhaupt fährt und sich auch eigentlich noch um tausend Sachen kümmern muss, geschweige denn gepackt hat.

Dieses Mal sind wir überraschend gut vorbereitet, haben sogar Molton und Lampen für den Merchstand (das gab es noch nie!) dabei. Die grundsätzlich gute Organisation liegt aber auch sicher an den tollen Partnern der Tour. Daher hier zu Beginn ein großes Danke an „Flix Agency“, „Surmount Agency“ sowie die Tourpartner von „noisiv.de“ und „Pop-Punks.de“.

 

Tag 1 – LUZERN, Home away from Home, Turbo Mate und Schlafwandeln

In Luzern spielen wir heute zum wahrscheinlich zu 8. Mal. Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen. Das erste Mal war 2014 akustisch im Haus von Arthur‘s Mutter. Der Arthur spielt mittlerweile bei den fantastischen Cold Reading und veranstaltet regelmäßig Konzerte in der Stadt. Bester Typ.

Aus finanziellen Gründen fahren wir zu fünft im kleinen Renault Kangoo. Weil wir versuchen immer außerordentlich nett zu sein, sagen wir Arthur zusätzlich zu die nach Freiburg gelieferten Plattencover seiner Band mit in die Schweiz zu nehmen. Das hat dann zur Folge, dass wir die Fahrt über bis auf Fahrer alle mindestens zwei Kartons auf dem Schoß tragen. Wir haben schon definitiv die beste Crew, dass die so einen Scheiß immer mitmachen!

Trotzdem schaffen wir es gewohnt problemlos über die Grenze und sind pünktlich zum Interview bei Radio 3fach in Luzern. Dort werden wir unter anderem gefragt zu welcher Uhrzeit wir am liebsten Konzerte spielen. Haben wir uns so auch noch nie überlegt.


Foto: Trve Love

Wir spielen heute am Treibhauseffekt Festival zusammen mit dem „Das Pirmin Baumgartner Orchester“, eine 18-köpfige Combo aus der Ostschweiz. Das erzähle ich unserem Mischer Rob bestimmt fünf Mal. Nach einer Stunde kommt er wieder zu mir und sagt wütend ich solle verdammt noch mal aufhören Witze zu machen. Ist aber wirklich so. Dann klassischer Soundcheck! Yannic klopft bestimmt 50 Minuten auf Trommeln bis jemand Rob sagt, dass die Zeit langsam aber sicher davonrennt. Den kompletten Rest checken wir dann innerhalb von 10 Minuten und alles klingt irgendwie trotzdem super. Guter Kerl der Rob!

Die Frau von der Bar versichert mir dann zweimal, dass sämtliches Catering vegan sei, was mich bei einer Wanne voll Hühnerkeulen doch etwas irritiert. Ich halte mich Mal fern von letzteren, geschmeckt hat es trotzdem.


Foto: Trve Love

Es ist Showtime und ich bin viel zu aufgeregt! Neue Songs, neues Intro und der ganze Kram. Ich habe mir auf den vergangenen Shows angewöhnt meine Gitarre genau zum ersten Akkord des Sets immer irgendwo dagegen zu hauen, weshalb sie erst einmal katastrophal verstimmt klingt und ich eher mäßig in das Konzert starte. Doch plötzlich sind da wirklich viele Leute vor der Bühne und singen teilweise sogar mit. Krass. Besser geht es eigentlich nicht und auch die neuen Sachen laufen super. Lustigerweise ist man nach einer Show immer in so einem komischen emotionalen Zustand. Einer von uns schreit meistens die anderen wütend an, dass er gerade das schlimmste Konzerte seines Lebens gespielt hat, während die anderen darauf bestehen, dass das hier gerade die mit Abstand beste Schweiz Show ever war. Wir bekommen super viel positives Feedback und quatschen eine Weile mit guten Freunden, was dann zum Glück doch eher für letzteres spricht.


Foto: Trve Love

Während das Primin Baumgartner Orchester loslegt und überraschend abreißt (ich verstehe leider wirklich kein Wort von den schweizerdeutschen Ansagen) widmen wir uns Kaltgetränken. Ich beschließe heute Turbo Mate zu trinken und entscheide mich wenige Sekunden später aufgrund des Preises von 14 Franken, ca. 12€, wieder um. Im Treibhaus sind zu unserem Glück oder Pech alle deutlich zu nett und fangen irgendwann an das Zeug inoffiziell umsonst auszuschenken. Auch gut! Der Abend wird lang. Viel zu lang.

Also krönendes Highlight habe ich dann noch einen Schlafwandelanfall, stelle mich bei geöffnetem Fenster auf die Fensterbank im 2. Obergeschoss. Unser Fotograf Tommy bekommt als Einziger etwas davon mit und schreit panisch durch den Raum in der Befürchtung ich wolle mich aus dem Fenster stürzen. Laut der morgendlichen Aufarbeitung erwiderte ich nur nüchtern: „Ich musste doch nur pinkeln und die Toilette war besetzt“, was unmöglich ist, da außer uns um 5 Uhr morgens definitiv niemand in den privaten Übernachtungsmöglichkeiten die Toilette benutzt und auch so pinkelt man für gewöhnlich nicht aus Fenstern!

Na gut Luzern, du hast es wieder geschafft! Großartiger Abend, ich verfluche meinen furchtbaren Kater.

Tag 2 – FREIBURG, Home is where your heart is

Ich habe keine Ahnung mehr wie wir die Heimfahrt aus der Schweiz überstanden haben! Nach gefühlten 50 Stunden kommen wir in Freiburg an. Das schlimme an Shows in der Heimatstadt ist ja, dass man wirklich fast dreiviertel des Publikums persönlich kennt was mich den ganzen langen Tag vor Nervosität fast verrückt macht.

Die Tatsache, das Freiburg nicht gerade bekannt für seine florierende Punk/Indie Szene ist und die Stadt grundsätzlich eine Wundertüte, machen das Gefühl nicht gerade besser. Wir haben seit unserer Album Release Show vor einem Jahr, definitiv eines der intensivsten Erlebnisse in bald 7 Jahren Bandgeschichte, kein Konzert mehr in der Stadt gespielt. Heute spielen wir zum allerersten Mal im „The Great Räng Teng Teng“. Wir haben zwar schon in Freiburger Museen oder in der Fußgängerzone gespielt, aber komischerweise noch nie in diesem Laden.

Als ich dann mittags zur Ticketabrechung im Flight 13 Plattenladen vorbeischaue und erzählt bekomme, dass innerhalb der letzten zwei Tage dort alle vorhandenen Karten über die Ladentheke gegangen sind, bin ich doch etwas verwirrt aber vor allem positiv überrascht. Danke Freiburg. Macht mich vor allem noch nervöser!

Der ganze Aufbau und Soundcheck ist mit super viel Stress verbunden, da wir die Show heute in eigener Hand veranstalten und irgendwie unter Doppelbelastung stehen. Mit dabei sind die Megajungs von Kid Dad. Die sind so das komplette Gegenteil von uns. Haben echt noch nicht viele Shows gespielt, dafür ausschließlich krasse Supporttouren und sind auch sonst total am Start. Und das zu 100% verdient! Wahnsinns Power und Ausstrahlung auf der Bühne, starke Songs und nett sind die halt auch noch. Machen alles richtig. Wir bekommen danach noch Komplimente für unsere stets gute Mitbandauswahl. Ha. Freuen wir uns auch doppelt! Wer diese Jungs nicht auscheckt hat kein Herz! Ganz einfach.

Der Laden füllt sich und irgendwann bekommen wir mitgeteilt, dass der Club restlos ausverkauft ist. Damit hatten wir so absolut gar nicht mehr gerechnet und ist auch sonst Premiere für uns. Fühlt sich verdammt irre an!


Foto: Trve Love

Ich zittere mich in Grund und Boden. Unser Intro tönt aus den Boxen. Wir stolpern auf die Bühne und ab diesem Moment fühle ich mich komplett raus aus allem. Das Publikum schenkt viel Aufmerksamkeit, bewegt sich und das ganze Konzert läuft von vorne bis hinten nicht nur reibungslos, sondern wie beflügelt ohne die kleinste Panne. Wir spielen ein klein wenig die Show unseres Lebens und das Publikum übertrifft sich selbst mit jedem Song. Zur Zugabe spielen wir zum ersten Mal live ein Feature mit Danny von Redensart. Es ist der letzte Abend von Yannic in Freiburg, bevor dieser erst einmal für ein Jahr nach Bremen düst. Da wird man doch sehr nostalgisch und ich erwische mich bei dem ein oder anderen kleinen Tränchen.


Foto: Trve Love

Danach wird im Räng getanzt, abgehangen, rumgeknutscht, letztes Essen aus dem Topf gesnackt und einfach nur versucht irgendwie zu realisieren was hier gerade abgeht.

Danke Freiburg du allerbeste komische Heimatstadt!


Foto: Trve Love

Tag 3 – WIESBADEN, Night rides for low lives

Die zweite Tourrutsche steht an! Wir spielen heute in Wiesbaden auf. Da waren wir bisher noch nie. Trotz der angenehmen drei Stunden Fahrt klingelt mein Wecker zur eher unangenehmen Uhrzeit von 5.45 Uhr. Na gut. Wir holen Mischer/Techniker Robert zuhause ab. Rob hat offensichtlich komplett verpennt, torkelt mit furchtbarer Alkoholfahne aus der Haustür und schläft im Auto nach einer Minute wieder ein. Solides Leben denke ich mir.

Wir holen fix den gemieteten Van ab und verteilen High Fives, da wir feststellen, dass wir zum ersten Mal in bald 7 Jahren Bandgeschichte ausreichend Platz zur Verfügung haben. Sprich nicht eine Expertengruppe (meistens Yannic) gründen zu müssen, die den Van ausgeklügelt und geschickt belädt.
Mit dabei als Mercher ist heute übrigens Anton, der früher in der legendären Freiburger Punkband „Nikotin“ (absolute Jugendhelden) gespielt hat und der absolut beste und verplanteste Dude ever ist.

Das gute am vielen Touren ist. Man kennt irgendwann in jedem komischen Ort und überall gute Leute, die einem z.B. einfach spontan einen Proberaum zur Verfügung stellen. Deshalb treffen wir in Darmstadt auf Felix von den Bands Snareset/Hal Johnson. Der hilft uns heute am Schlagzeug aus und wir zocken dort eine schnelle Generalprobe. Keine Ahnung wie der das macht. Wir haben uns ein halbes Jahr nicht gesehen. Wir proben unser Set einzig und allein zwei Stunden und der Kerl ballert alles ohne Fehler durch. Genial.

Der Tag verläuft überraschen angenehm und unspektakulär. In der Kreativfabrik Wiesbaden gibt es feine Burger von der „Antifa Gourmet Tm“ (bester Name) und wir spielen eine relativ solide und äußerst spaßige Show. Der Laden ist zwar an einem Mittwoch und aufgrund der Tatsache, dass das für uns Wiesbaden Premiere ist nicht allzu gut gefüllt. Trotzdem erkennt man ein paar Gesichter wieder, die uns bereits im März in Frankfurt mit Smile And Burn besucht haben. Das ist dann doch immer besonders schön!


Foto: Alex Lorenz

Nach uns spielen die Schweden von The Guilt und machen ordentlich Stimmung. Die Musik nennt sich Laserpunk. Die haben Backing Track, Gitarre und Gesang. Das ist alles. Geht aber ordentlich in die Beine und auf der Bühne wird wildes Herumgespringe und Workout geboten. Unbedingt auschecken!

Nach ein paar Drinks, Gespräche über das alt werden und die definitiv besten Konzertreview Webpage „bierschinken.de“ machen wir uns auf in den Van. Ersatztrommelmann Felix ist relativ kurzfristig eingefallen, dass seine Freundin ja Geburtstag hat. Upsi. Wir fahren über Nacht erst nach Rheine, dann nach Münster und fallen irgendwann um 6 uhr morgens ins Bett. Sleep is for the weak, sagte einst ein weiser Mensch. Irgendwie so!

Tag 4 – MÜNSTER, Stagedives for low lives

Ich habe mir auf dem Nightride gestern noch die Frage gestellt was besser ist. Entspannt und nüchtern am Steuer sitzen oder gestresst als Beifahrer die ganze Zeit pissen zu müssen, weil man ja Bier trinken durfte! Verrückt, dass unser Freund Hansol von Shoreline uns trotz drei Stunden Verspätung um 6 Uhr morgens noch in die Wohnung lässt. Noch verrückter, dass wir schon pünktlich morgens wieder auf der Matte stehen.
Es gibt es das Standard-Extraklasse-Münster-Tourismusprogramm! Erst schön essen gehen und dann shoppen im Green Hell. Wahrscheinlich bester Plattenladen der Welt.

Bald geht es auch schon weiter in die Baracke, unser heutiges Büro! Einen richtigen Soundcheck können wir nicht machen, da Yannic erst abends kurz vor der Show nach Münster hinterherreist. Das Ganze wird zwar super stressig, als dann aber die ganze Bande vereint ist und wir irgendwann zusammen auf der Bühne stehen, ist alles wieder beim Alten.

Die Konzertgänger in Münster sind ein klassisches Streberpublikum. Die kommen pünktlich zur ersten Band und bleiben bis ganz zum Schluss. Es gehört sich so! Unsere beiden Mitbands For Them All und Elm Tree Circle sind stark. Wir spielen als letztes und sind mehr als krass überwältigt. Einige Leute singen erneut die kompletten Texte unserer Songs mit. Wow. Danke mal an dieser Stelle. Münster! Das ist ganz groß!


Foto: Nils Hoelscher

Nach der Show trinken wir, nun ja, Bier (ja was denn auch sonst?) und haben das große Glück erneut bei Hansol zu nächtigen, der etwa drei Fußminuten von der Baracke entfernt wohnt. Klugerweise geht es dieses Mal auch erneut nicht früh ins Bett. Ein heller Kopf aus der Gruppe kommt auf die fantastische Idee, dass wir uns definitiv genau jetzt ein Crew-Tattoo stechen sollten. Wir sind zu diesem Zeitpunkt übrigens sechs Leute, das kann schon mal etwas dauern. Unser Gastgeber hat zwar außer sich selbst beinahe noch nie tätowiert, aber das soll ja kein Hindernis sein und macht die ganze Aktion um so aufregender. Doppelt so sehr für den Herren Tätowierer, aber auch 1000 mal so real. Wir vertrauen ihm! Und wieder ist es sechs Uhr morgens. Wir gehen schlafen. Münster, du bist immer etwas ganz Besonderes! Liebe.

Tag 5 – KÖLN, Mehr Promo, (noch) weniger Schlaf!

Am Freitag warten schon früh gleich zwei Interviews auf uns.
Nach einer sehr einprägsamen und legendären Nacht in Münster besuchen wir am Vormittag unsere gute Freundin Leo von ‘‘Radio Q‘‘. Jakob und Darius performen unsere neue Single „1.20“ akustisch und im Anschluss reden wir mit Leo ein wenig über ebendiesen Song.
Wir erfahren, dass die Münsteraner ca. 40 mal pro Woche die Chance haben die neue Single im Airplay auf „Radio Q“ zu hören. Gar nicht so schlecht! Wir verabschieden uns von Leo und unserem neuen „Sfll Crv“ Außenminister Elliott und machen uns auf den Weg zum Hochschulradio Kölncampus.

Vor dem Universitätsgebäude in Köln, das eher an ein modernes Krankenhaus erinnert, treffen wir unsere Kölner Hintermänner David und Daniel von “Surmount Agency“. Zusätzlich vergrößern wir unser Tourteam um eine weitere Nase. Sebastian Igel, Spitzenfotograf, der auch gleich freudig mit Knipsen beginnt.

Foto: Sebastian Igel

Ehrlich gesagt habe ich ein wenig Bammel vor dem Interview, da es für unsere digitalen Freunde direkt live ins Interweb gestreamt wird. Zu meiner positiven Überraschung läuft das Interview aalglatt. Flüssig, witzig und Interessant. Fragen, wie auch unsere Antworten. Ein wenig Selbstlob ist auch in Ordnung. So wie ein Interview eben sein sollte.

Wir erreichen die Venue und starten direkt mit einem furchtbaren Load-in. Wir können ja nicht ahnen, dass durch die kleine Gasse vor dem Tsunami im zwei-Minuten-Takt Linienbusse fahren. Nachdem wir dann während dem Einladen, drei- oder viermal umparken bzw. rangieren müssen ist endlich alles in der Venue und das, dank unserem Sound Supermannes Rob, routinierte Soundcheck Spiel nimmt seinen Lauf. Die kleine und recht abgerockte PA klingt extrem gut und ich höre sogar meine Bandkollegen exzellent durch die Monitore. Denn ja! Das ist – Rob hin oder her – definitiv keine Selbstverständlichkeit.

Foto: Sebastian Igel

Vor uns spielen die Jungs von Okayest aus Köln, da „Everyday Circus“ leider kurzfristig absagen mussten. Gute Besserung an dieser Stelle! Vielleicht wollt Ihr ja wissen wie es gewesen wäre und lest das hier: „Liebe Everyday Circus: Es war toll!“ Nächstes Mal gemeinsam!.
Okayest überzeugen mit geilem Emo-Punk Hymnen und viel Witz auf der Bühne. Schade nur, dass es (noch) nichts zum Nachhören gibt. Im Publikum herrschte gute Stimmung und die 30-40 Menschen nicken mit einem Lächeln im Gesicht zum Takt. So ist das angebracht, mehr als anständig!
Schade, dass wir nach der Show ziemlich bald aufbrechen. Ansonsten hätten wir natürlich die allerletzte Möglichkeit genutzt um das “Underground“ abzureißen, bevor es endgültig im wahrsten Sinne des Wortes abgerissen wird.

 


Foto: Sebastian Igel

So beenden wir den Tag mit einem weiteren Nightride nach Bremen, mein neues Zuhause. Als ich dann endlich in meinem Bett liege, sagt das Handy ich werde noch exakt zwei Stunden Schlaf erhaschen, bevor ich wieder ordnungsgemäß aufstehe, um pünktlich um 7:30 Uhr bei der Arbeit zu sein. Aber das ist dann auch der nächste Tag und für diesen schreibt zum Glück jemand Anderes den Bericht!

Tag 6 – LEIPZIG, Fuck AFD – Love Moscow Mule

Gestern in Köln! Aufwachen in Bremen, heute in Leipzig. Kann man mal machen. Na gut. Immerhin geht es mir nicht wie Yannic. Muss mit einer Stunde Schlaf auf einem Kinderflohmarkt arbeiten, mit dem Zug nach Leipzig nachkommen und ca. 20 Minuten nach Ankunft dort dann ein Konzert spielen. Irre Typ!

Der Körper ist auf Tour ja sowieso im Ausnahmezustand. Ich fühle mich den Umständen entsprechend sogar überraschend fit. Es weiß kein Mensch durch welches Mannöver der Van in den viel zu engen Hinterhof gelangt ist. Das Wiederherausmannövrieren macht definitv Freude. Wir tanken, kaufen Powerade und rauf auf die Straße. Powerade ist seit einiger Zeit bandintern wieder der absolute Renner, seit uns die Jungs von Cold Reading aus der Schweiz das nahegelegt haben. Sollte viel mehr getrunken werden.


Foto: Sebastian Igel

Wir kommen pünktlich in Leipzig an, bauen fix unsere Backline auf und begutachten das wirklich wunderschöne Ostsicht Festival. Wohl eher: Motivationskanone Rob baut die Backline auf, übernimmt direkt das Festivalmischpult und arbeitet sich unmittelbar zum Drumtech hoch, während wir abhängen und Kartoffelsalat essen.
Es lässt sich wirklich gut aushalten hier. Mitten in der Stadt eine Truckbühne „do it yourself“ in den Rabetpark gebaut. Dazu viele Stände, Workshops, Lesungen. Außerdem ein tolles und wichtiges Motto. Aufmerksam machen auf die bevorstehende Bundestagswahl. Mobilisieren gegen den internationalen Rechtsruck und die widerliche AFD.

Ich unterhalte mich mit Fotograf Sebastian über Bier und er ist fest der Meinung er würde heute nicht mehr als Eines trinken. Er bestätigt selbstsicher, dass er so etwas immer gut einschätzen könne und wenn schon das Erste nicht schmeckt, habe er seinen Konsum da sehr unter Kontrolle. Ich beneide ihn ein wenig für seine Disziplin. Zwei Stunden später ist er bei Nummer fünf.

Wir haben ein wenig gemischte Gefühle vor der Show. Ein sehr Punk/HC-lastiges Publikum. Wir fühlen uns da schon immer komisch wenn wir auch nur ein Backdrop aufhängen oder etwas länger Linecheck machen. Außerdem hat Yannic‘s Zug natürlich Verspätung und er besteht aus unerklärbaren Gründen darauf unter keinen Umständen ein Taxi vom Bahnhof zu nehmen, sondern die Straßenbahn. Zum Glück läuft alles reibungslos, sogar das Wetter hat gehalten.


Foto: Sebastian Igel

Das Intro läuft an und die Geschehnisse lassen sich von hier an nur noch schwer in Worte packen! Ich habe das Gefühl ich wiederhole mich hier sehr häufig. Aber ehrlich. Es stehen da 200 Leute vor der Bühne, die uns meinem Eindruck nach nicht einmal komisch finden, sondern wirklich Bock haben. Wir spielen trotz der vergangenen Tage in den Knochen überraschend frisch und sind doch ein wenig überwältigt von dieser leider viel zu kurzen Show. Wir bekommen wieder tolles Feedback auch von fremden Leuten und hängen stolz und glücklich mit vielen unserer Freunde ab, die heute gekommen sind.

Foto: Sebastian Igel

Während sich die Hälfte der Truppe irgendwann zum Schlafplatz begibt, zieht die Andere weiter auf die Afershowparty ins Atari. Wir bestellen uns für 2,50€ Longdrinks und bekommen diese dann sogar noch zum halben Preis. 1,25 € für ein Moscow Mule ist schon relativ sehr in Ordnung, aber auch ein suboptimaler Preis für die Schuldenabrechnung am nächsten Tag. Wir verleihen nämlich grundsätzlich immer untereinander total wirr und durcheinander unser weniges Geld. Jakob besteht zum Beispiel seit vier Tagen fest darauf seinen Geldbeutel zuhause vergessen zu haben. Wir finden ihn schlussendlich im Handschuhfach.

Nach einigen sehr konfusen und viel zu intensiven, wilden und betrunkenen Gesprächen über das Musikbusiness legen wir uns Schlafen. Es war ein fantastischer Tag und toller Abschluss der ersten kleinen Tourrutsche. Was wir nicht alles erleben dürfen! Bis bald Leipzig.

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